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TRAVEL GUIDE: ESSAOUIRA

Essaouira ist der kleine, entspannte Cousin von Marrakesch. Weniger turbulent und aufregend, dafür freundlich und charmant. Eines kann man sagen: Obwohl Marrakesch seinem Ruf als "Perle des Südens" sicherlich mehr als gerecht wird, war es doch Essaouira, welches mich verzauberte. 

Wer von Marrakesch nach Essaouira reist, der wird zunächst überrascht. Betritt man die Medina herrscht eine entspannte, einladende Atmosphäre. Neben Lokals schlendern zugezogene und Touristen durch die Straßen, ein Verkäufer hält ein Schwätzchen mit dem Nachbarn -  alles wirkt sehr geordnet und (fast) ruhig. Ruhig ist natürlich das falsche Wort, mir kam nur der Gegensatz zum turbulenten Marrakesch sehr extrem vor. Natürlich ist Essaouira nicht mit einem ruhigen österreichischen Dorf zu vergleichen, wo am Abend der Gehsteig hochgeklappt wird. Das Leben spielt sich hier auf der Straße ab - hier trifft man alle, unterhält sich, kauft ein fürs Abendessen. Auch sind die Verkäufer zwar im Gegensatz zu Marrakesch ruhig und entspannt, aber trotzdem keineswegs untätig. Man hat hier nur einen anderen Weg gefunden, um seine Ware an den Mann zu bringen. Und doch umgibt die Stadt eine wahnsinnig angenehme Atmosphäre der Entspannung. 

Möglicherweise stammt diese Entspannung noch aus der Zeit der Hippies. Die entdeckten Essaouira in den 1960er Jahren für sich, nachdem Persönlichkeiten wie Jimi Hendirx und Cat Stevens sich hier aufgehalten hatten. Daraufhin kamen viele junge Menschen, um Essaouira zu besuchen oder auch hier zu bleiben - wenn man durch die Straßen der Medina schlendert, findet man einige Menschen, die kamen und sich hier niederließen, Auch wenn die meisten Hippies nun weg sind, so ist der Stadt ein gewisser artistischer, boho Charme geblieben. 

Darum findet man hier neben vielen Streetartists auch noch unglaublich tolles Kunsthandwerk, Kunstgalerien auf die so mache große Stadt neidisch wäre, und einen Flair, der von Kreativität nur so strotzt. Über die Zeit hat es diese kleine Hafenstadt geschafft, Tradition mit Moderne zu verbinden, woraus sich spannende Entwicklungen ergeben.

Anreise

Von Wien aus gibt es mit der Austrian Airlines Direktflüge nach Marrakesch. Von dort kann man entweder mit dem Bus (Supra Tours) oder mit einem Taxi nach Essaouira fahren. Das Taxi fährt etwa 2,5 Stunden und kostet ca. 70 Euro.

Unterkunft

Ich war bis jetzt zwei Mal in Essaouira und habe beide Male im Riad Daranur gewohnt. Es hat eine sehr gute Lage im jüdischen Viertel der Stadt und beeindruckt mit einer wirklich wahnsinnig tollen Dachterrasse, von der aus man einen 360° Blick hat und sowohl über die ganze Stadt als auch aufs Meer sehen kann! Außerdem findet sich auf der Terrasse eine kleine Küche, in der man selbst kochen kann. 

Essen

Essaouira ist vor allem für eins bekannt: Fisch. Die Stadt hat einen eigenen kleinen Hafen, an dem jeden morgen die Fischer ihren Fang an Land bringen - kein Wunder also, dass man ein Fischlokal neben dem anderen findet. Tja, über diese Art von Lokalität kann ich leider nichts berichten. Dafür kann ich sagen, dass all jene, die keinen Fisch mögen, auch auf ihre Kosten kommen. Zwar ist Marokko nicht so wahnsinnig bekannt für seine vegane Küche - aber in Essaouira gibt es doch tatsächlich auch ein paar rein vegane lokale, bzw. Restaurants, die explizit vegane Speisen ausschreiben. Ich fand zum Beispiel das Shyadma's Vegan Food wirklich sehr lecker! Auch sehr zu empfehlen ist das Triskala, zwar nicht rein vegan, aber vegane Speisen sind ausgeschrieben. Ich muss gestehen, ich habe mich nicht soooo gut durchprobiert. Frühstücken war ich zu Beispiel immer im Café Glacier. Dort gibt es keine explizit veganen Speisen, und auch sonst nichts, womit ich diese Routine begründen könnte, abr dafür ist der Platz nett zum sitzen und ich habe jeden Tag mit dem netten Besitzer geplaudert, der auch ein paar Brocken Deutsch spricht. Ich habe immer das gleiche Frühstück bekommen, ohne was sagen zu müssen und am Schluss hat sich der Besitzer immer mit "Bis Morgen!" von mir verabschiedet.  Alles in allem habe ich mich dort einfach sehr wohl gefühlt und bin deshalb jeden Tag wieder gekommen - ein Lokal braucht also wirklich nichts wahnsinnig ausgefallenes auf der Speisekarte, oder irgendeinen Schnickschnack, hauptsache man fühlt sich wohl :-). 

what to do

Trotz der überschaubaren Größe hat Essaouria viel zu bieten! Zwischen den engen Gassen, den Häusern mit den kobaltfarbenen Türen und der imposanten Stadtmauer gibt es einiges zu entdecken. Hier eine kleine feine Aufzählung der Dinge, die man meiner Meinung nach nicht verpassen sollte :-)

Die Stadtmauer

Womit wir eigentlich schon beim ersten Punkt wären. Die Stadtmauer, die die Medina umschließt, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Sie ist noch sehr gut erhalten und bietet einen atemberaubenden Ausblick auf die Wellen des Atlantik, die gegen die Gemäuer peitschen. Manchmal sind sie so kräftig, dass die Gischt bis über die Stadtmauer spritzt. 

Früher diente die Stadtmauer der Verteidigung zur See - und Landseite. Aus dieser Zeit stehen auch immer noch Kanonen an den Luken der Mauer, als ob man jederzeit bereit wäre, einen möglichen Angriff abzuwehren! Daneben sitzen Künstler und Kursteilnehmer aus einem der vielen Malerkurse, die es in der Stadt gibt, und zeichnen. Mein Tipp: unbedingt bei Sonnenuntergang herkommen! Die letzten Sonnenstrahlen spiegeln sich in allen Farben im Ozean und bieten ein atemberaubendes Bild. 

Sidi Mohamad Ben Abdellah Museum

Wer nach der Besichtigung der Stadtmauern Lust bekommen hat, mehr über den geschichtlichen Background von Essaouira zu erfahren, der kann das Sidi Mohamad Ben Abdellah Museum besuchen. Das Mueseum beeindruckt schon beim Betreten durch seine wunderschöne Architektur. Zudem findet man hier einen sehr guten geschichtlichen Überblick über die Entstehung Essaouiras sowie seine große Bedeutung für den Handel. Im ersten Stock findet man zudem eine große Sammlung an Artifakten, sowie viele Informationen über die Berber-Kultur! Drinnen ist fotografieren aber streng verboten, daher habe ich heute leider kein Foto für euch ;-)

der Hafen

Wer es schafft, früh genug aufzustehen, der sollte unbedingt zum Hafen gehen und den Fischern zusehen, wie sie den Fang des Tages an Land bringen. Nun löst bei mir persönlich der Fang des Tages zwar keine unbedingt angenehmen Gefühle aus, jedoch ist es unheimlich spannend, das bunte Treiben zu beobachten. Hier sieht man wie die Menschen ihr tägliches Brot verdienen, umringt von Möwen, die versuchen etwas von der Beute abzubekommen und das ganze vor einer wahnsinnig schönen Kulisse.. Außerdem sind die kobaltblauen Fischerboote wirklich fotogen! 

Doch auch für die Spätaufsteher lohnt sich der Hafen. Es gibt viele kleine Lokale, die frischen Fisch servieren ( für all jene, die Fisch essen, ich hörte er soll wirklich gut sein ;-) ) und grundsätzlich herrscht ein buntes Treiben. Wie auch bei der Stadtmauer gilt: unbedingt herkommen, um den Sonnenuntergang zu sehen! 

Sonnenuntergänge

Eine gute Einleitung zum nächsten Punkt. Auch wenn die Sonne nun mal überall auf der Welt untergeht, hier in Essaouira ist der tägliche Sonnenuntergang trotzdem ein Highlight! Und zwar jeden Tag wieder! Daher finden sich auch jeden Tag sehr viele Menschen ein, um diesen zu bewundern. Die Minuten, bevor der letzte Sonnenstrahl in den Tiefen des Atlantiks verschwinden zu scheint, ist immer wieder ein Highlight. Tatsächlich habe ich selten so tolle Sonnenuntergänge gesehen wie in Essaouria.

Souks

Wie in eigentlich jeder marokkanischen Stadt, sollte man auch in Essaouira den Souk nicht verpassen. Auf den ersten Blick wie ein Labyrinth angewordnet, findet man sich hier aber schnell zurecht. Im Souk wird man mit Eindrücke überschwemmt - Farben, Materialien, Menschen, (viele sagen auch Gerüche ;-)) - tief durchatmen und sich wirklich die Zeit nehmen, diese Eindrücke auf sich wirken zu lassen und zu erkunden! Der große Souk in der Medina heißt übrigens Souk Jjid. Zudem gibt es auch noch wöchentlich stattfindende Souks, wie den Had Draa. Dieser findet immer Sonntags außerhalb von Essaouira statt, und ist der größte Markt der Region. Neben Gemüse, Gewürzen, Keramik und vielem mehr wird hier auch Vieh gehandelt. Hier machen Lokals, vorallem aus ländlicheren Gegenden ihren Wocheneinkauf, lassen sich rasieren ( Flying Barbers!) und treffen Freunde und Bekannte. Eine sehr authentische Erfahrung! 

Arganöl Kooperative

Wer nach Marokko reist, der reist damit zur Quelle des Arganöls. In aller Welt wir es wie der Tausendsasser unter den Ölen gehandelt - gut für die Gesundheit, die Haut, die Haare, was kann dieses Produkt eigentlich nicht? Vor allem in der Region zwischen Essaouira und Agadir wachsen die Bäume, aus deren Früchten man das Öl gewinnt. Rund um Essaouira gibt es daher viele Kooperative, meist von Frauen geführt, die das Öl herstellen und auch Einblicke in dieses Handwerk gewähren! Der Besuch dort bietet sich natürlich auch dazu an, sich mit diesem regionalen Produkt einzudecken! Zudem ist es wahnsinnig spannend zu sehen, wie die Frauen das Öl per Hand pressen. 

der Strand

Eines muss man dieser kleinen Hafenstadt wirklich lassen: sie haben einen unglaublichen und ewig langen Sandstrand! Jedoch eignet er sich nur bedingt zum Sonnenbaden, denn an der Atlantikküste kann es doch schon sehr windig werden. Dann wird es zum längeren liegen eher ungemütlich. Dafür eignet sich der Strand aber perfekt für alle möglichen Wassersportarten. Allen voran tummeln sich viele Kite - und Windsurfer und es gibt auch einige Schulen, wo man Kurse besuchen kann. Also ein echtes Paradies für Freunde des Wassersports! Außerdem gibt es die Möglichkeit, Ausritte auf Pferden oder Kamelen am Strand zu machen - ich habe davon eher Abstand genommen, denn ich finde, Attraktionen mit Tieren oftmals ethisch ein bisschen problematisch. Auch wenn sich bestimmt viele wirklich gut um ihre Tiere kümmern! Ich finde, man kann auch sehr gut zu Fuß den Strand erkunden ;-). Wer ein bisschen den Strand entlang läuft, der kommt schnell zu vielen netten Bars und Restaurants !  Unbedingt zu "Beach & Friends" schauen! Dort gibt es gemütliche Knotzecken zum Cocktails trinken und Tapas essen :-)

Shopping

Wenn man in Essaouira eines kann, dann ist es shoppen. Im Gegensatz zu Marrakesch, wo die Verkäufer teilweise doch sehr pushy sind, hat man in Essaouira die Möglichkeit, sich Zeit zu lassen. Man kann mit Muße die unzählichen Shops durchstöbern, Sachen probieren und sich umsehen, ohne unter Druck gesetzt zu werden. Oftmals kann man während dem Einkaufen noch beobachten, wie im Nebenzimmer schon an weiteren kleinen Kunstwerken gearbeitet wird! 

Alles in allem ist Essaouira zwar klein, aber trotzdem so wunderbar vielseitig, dass es sich lohnt, ein paar Tage zu bleiben. Zwischen Trubel und tausend neuen Eindrücken, findet man Entspannung und wahnsinnig nette Menschen, die einem das Gefühl geben, willkommen zu sein. Essaouira ist einfach ein Happy Place!

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